Die Ordnung der Anderen

Als ich noch ein Kind war, hatte mein Vater eine CD-Sammlung, sauber nach Interpreten sortiert. Was aber haben meine Schwester und ich gemacht, wenn wir Musik hören wollten? Genau. Zwanzig CDs aus dem Regal gerupft und sie auf dem CD-Spieler verteilt. Als wir Aufräumen sollten, haben wir sie einfach wo es passt wieder ins Regal gestopft. Waren wir zu blöd, um eine einfache A-bis-Z-Sortierung einzuhalten? Mitnichten. Uns war die Ordnung unseres Vaters einfach Wurst.

Wir springen in das Jahr 2018. Wenn ich jetzt von meinem Schreibtisch aus nach rechts schaue, steht dort ein CD-Regal. Fein säuberlich sortiert, natürlich. Daraus ziehe ich folgenden Schluss: Es ist nicht allzu schwer, sich an seine eigene Struktur zu halten. Aber sich an die Ordnung eines anderen Menschen zu halten ist eine Fähigkeit, die trainiert werden muss!

Beziehen wir dieses Gedankenexperiment auf Ordnungskonventionen für Quellcode. Line Indentation, Klammersetzung, CamelCase, snake_case... you name it. Klar gibt es für Sprachen wie PHP oder JavaScript auch Standards, trotzdem haben viele Organisationen spezielle Code Conventions oder Vorlieben für bestimmte Bibliotheken.

Wenn wir mal eben ein bestehendes Projekt erweitern wollen, mischt unsere persönliche Präferenz mit. Oder wir programmieren routiniert nach den Conventions eines vorangegangenen Projekts. Hier ist es wichtig, bewusst umschalten zu können. Ansonsten etabliert man zwei Programmierstile in einer Codebase und es entsteht unweigerlich, was man ursprünglich vermeiden wollte: Unordnung.

Aber was ist denn mit Git requests? Oder anderen Werkzeugen? Lösen die nicht dieses Problem? Ja, theoretisch schon. Aber wir können Zeit sparen, indem wir uns Mühe geben uns direkt an die richtigen Code Conventions zu halten. Kleine Organisationen haben sicher auchnicht immer Kapazitäten, um jede Codezeile zu prüfen. Also ist es nicht schlecht, diese Fähigkeit zu üben.

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